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Erziehen ohne Schimpfen

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Erziehen ohne Schimpfen

Notre expert

„Zählen Sie bis zehn!“ Wie oft haben wir diesen Ratschlag schon gehört? Oder gedacht? Oder - verflucht? Viele Artikel und Bücher gegen das Schimpfen oder Strafen von Kindern legen großen Wert darauf, dass Eltern lernen, sich selbst zu beherrschen. Das Problem daran ist: Wenn wir uns beherrschen könnten, würden wir ja nicht meckern, motzen, schimpfen oder brüllen, richtig? Viele Eltern sagen mir, „in der Theorie“ sei ihnen alles völlig klar, aber „in der Praxis“ verlieren Sie dann doch die Beherrschung.


Was heißt eigentlich schimpfen?

Schimpfen nenne wir es immer ,wenn wir ein Kind zurechtweisen auf eine Art und Weise, die das Kind ängstigt, unter Stress setzt, isoliert oder bedroht.

Warum schimpfen wir?

Eltern schimpfen immer dann, wenn sie unter Stress sind. Und unter Stress geraten wir schnell: zwei freche Antworten eines Vierjährigen kann einen ausgewachsenen Homo Sapiens vom entspannten Einkaufsmodus in einen gestressten Gefahrenmodus bringen.
Heute befinden sich viele von uns in dauerhaftem Stress. Wenn wir gestresst sind, sind wir aber weniger nachsichtig, weniger mitfühlend, stellen zu hohe Anforderungen an die Kinder und sehen sie negativer, als sie sind. Gestresste Eltern haben durch dieses Verhalten ein deutlich höheres Risiko, verhaltensauffällige Kinder zu erziehen.

Wie wir Regeln richtig durchsetzen

Es gibt Wege, Grenzen zu setzen, ohne uns von unserem Stress zu falschem Verhalten verleiten zu lassen.

Hier ein paar klassische Beispiele

  •  „Ich habe dir schon tausend Mal gesagt ...!“ Wenn wir in diesem Ton auf Regeln pochen, müssen wir uns nicht wundern, wenn die Kinder augenblicklich auf Durchzug schalten. Was können wir stattdessen tun?
    Ein paar Ideen:
  • Statt zu schimpfen „Was bist du nur schon wieder für ein Faulpelz!“, sagen wir, was wir sehen: „Deine Kleider von gestern Abend liegen noch überall herum.“ Wenn das Kind nicht reagiert, können wir noch hinterherschicken, was wir uns wünschen: „Ich möchte, dass das hier ordentlich aussieht, wenn gleich Besuch kommt, bitte bring deine Sachen weg.“
  • Statt zu rufen „Warum schenke ich dir überhaupt etwas…?“, informieren wir die Kinder darüber, welche Konsequenzen ihr Verhalten hat: „Wenn das Brettspiel auf dem Balkon stehenbleibt, wird der Regen es heute Nacht durchweichen – das wäre schade.“
  • Statt uns zu ärgern „Jetzt hör auf, im Supermarkt herumzurennen!“, bieten wir den Kindern eine Alternative: „Du kannst für uns fünf Zitronen aussuchen.“
  • Statt zu meckern „Nie hilfst du mir…“, sagen wir, was uns wirklich helfen würde: „Wenn du jetzt vier Teller und vier Gläser auf den Tisch stellst, können wir früher essen, das wäre mir eine große Hilfe.“
  • Statt zu rufen „Kleckere nicht!“, sagen wir, was wir wollen und was nicht: „Ich möchte, dass du über deinem Teller isst, damit die Soße nicht auf deine Hose tropft.“
  • Statt zu bestimmen „Du ziehst jetzt die Hose an und basta!“, lassen wir dem Kind eine Wahl: „Ohne Hose kannst du nicht auf die Straße. Welche möchtest du, die blaue oder die rote?“
  •  Statt auszurasten und „Jetzt ist es aber genug!“ zu brüllen, ziehen wir rechtzeitig eine eigene Grenze: „Mir ist das hier zu laut, ich kann so nicht fahren.“ Und dann halten wir das Auto an oder steigen aus dem Bus aus, um herauszufinden, was das Kind braucht, damit wir in Ruhe weiterfahren können.
  • Die wichtigste Grundregel ist: Eltern sollten Kindern immer persönliche Informationen geben statt allgemeine Regeln also: „Mir ist es zu laut“ statt „So schreit man nicht rum“.
  • Statt „Nein!“-„Doch!“-Konflikten: „Ich höre dich!“

Eine Erziehung mit Druck, Strafen und Kontrolle ist das, was viele Menschen selbst in ihrer Kindheit erlebt haben. Aber autoritäre Erziehung erzeugt nachweislich Menschen, die mit den Herausforderungen unserer Zeit überfordert sind. Wir brauchen Menschen, die flexibel denken können, die sich Herausforderungen stellen, mit anderen auf Augenhöhe zusammen arbeiten können und für die Fürsorge, Solidarität und Gemeinschaft wichtige Werte sind. Ein Kind nicht zu schimpfen, kann die Welt verändern.

Aus: „Erziehen ohne Schimpfen“, Nicola Schmidt, Gräfe und Unzer Verlag

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