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Schulversagen - Ursachen & Lösungsansätze

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Schulversagen ist ein grosses und ebenso schwieriges Wort. Denn einerseits bringt es einen grossen Teil an Angst mit sich, andererseits sind die Ursachen sehr vielfältig und damit auch die Lösungsfindung komplex. Welche Gründe zu Schulversagen führen und vor allem welche Möglichkeiten es gibt, einen Ausweg zu finden, beleuchten wir in diesem Artikel.

Schulversagen - eine Definition

Formal betrachtet spricht man von Schulversagen, wenn Schülerinnen oder Schüler sich negativer Fremdbewertung ihrer Schülerleistungen gegenübersehen. Wichtig zu beachten ist dabei, dass diese Bewertung auf festgelegten, sozialen Massstäben beruht. Ebenso festgelegt und sozial festgelegt sind die Reaktionen des Schulsystems darauf: Wird Schulversagen festgestellt, so werden betroffene Schülerinnen und Schüler an sogenannten Übergangspunkten entweder vom Schuleintritt zurückgestellt, innerhalb des Jahrgangs nicht weiter versetzt, in eine Sonderschule überwiesen oder der Abschluss nicht erteilt.
Schulversagen wird dabei als Folge von Anpassungsschwierigkeiten an die gestellten Verhaltens- und Leistungserwartungen betrachtet.


Vielfältige Konsequenzen

Doch damit sind nur die formalen Eckpunkte von Schulversagen benannt. Die Herausforderung liegt jedoch insbesondere darin, dass sogenanntes Schulversagen noch viel mehr, weitreichende Konsequenzen hat. Schon allein all die genannten Reaktionen des Systems auf das Versagen bringen weitere Schwierigkeiten mit sich. In unserer formalisierten und erfolgsorientierten Welt können es sich Kinder und Jugendliche eigentlich nicht mehr leisten, beispielsweise ein Jahr zu wiederholen, geschweige denn keinen Abschluss zu erreichen. Denn spätestens am Übergang zur Berufswelt sind die Anforderungen heutzutage oft relativ klar: Wer eine erfolgreiche Karriere haben und damit seine Zukunft auch finanziell sichern will, muss bereits im Schulalter vorlegen. Hinzu kommt, dass auch im Erwachsenenalter das schulische Lernen nicht aufhört. Weiterbildungen und weiterführende Studien sind weitverbreitet und gehören in einen guten Lebenslauf.
Wer als Kind oder Jugendlicher von Schulversagen betroffen war, kann diese Bedingungen als erschwerend und insbesondere hemmend erleben - insofern nicht schon früher Lösungen erarbeitet wurden.
Das Gefühl nicht entsprechen zu können, als faul oder gar dumm abgestempelt und “der Sonderfall” zu sein, ist eine weitere Konsequenz, mit der betroffene Kinder und Jugendliche umgehen müssen. Dies stellt sie vor grosse Herausforderungen und oft ist das Gefühl des Versagens mit ein Grund für das Versagen selbst. Kinder und Jugendliche möchten grundsätzlich geliebt werden und sich integriert, als Teil eines Ganzen fühlen. Eine Sonderstellung, besonders wenn sie negativ ist, stellt einen für sie schwierig zu ertragenden Zustand dar, der grossen Einfluss auf ihre Gefühlswelt und auch ihr Verhalten hat.


Ursachen für Schulversagen

Natürlich kann Schulversagen medizinische Gründe haben. So kann beispielsweise eine unerkannte Lese-Rechtschreibstörung, Legasthenie oder ADHS zu erschwerter Aufnahme und Verarbeitung des Schulstoffs und entsprechendem Schulversagen führen.
Doch auch hier besteht ein Teil des Problems darin, dass die Herausforderung des Kindes nicht erkannt und somit auch nicht behandelt werden oder wurden. Hierin zeigt sich, wie stark Schulversagen im Endeffekt hausgemacht ist - wobei ebenso Kinder aus gut-situierten und akademischen Familien betroffen sind, wie auch Kinder aus sozial schwächeren Familien.
Experten und Expertinnen sind der Überzeugung, dass der wachsende Leistungsdruck und die oft mangelnde Kompetenz und Zeit vieler Eltern in der Erziehung ihrer Kinder häufiger als früher zu Schulangst, psychischen Problemen und damit auch zu Schulversagen führen. Dafür spricht auch die Statistik, denn psychiatrische Fälle bei Jugendlichen haben innert sieben Jahren um ein Drittel zugenommen. Ein grosses Problem dabei ist, dass sowohl Eltern als auch Lehrpersonen oft viel zu spät, bis gar nicht merken, wenn ein Kind oder Jugendlicher auf der Strecke bleibt. Dadurch wird zu spät bis gar nicht eingegriffen, wodurch sich die Probleme nur noch verstärken und der Kreislauf nicht unterbrochen wird. Denn fühlt sich ein Kind oder Jugendlicher schlecht, hat Angst oder andere negative Emotionen, führt dies zu störendem oder nicht adäquatem Verhalten, was wiederum als negativ bewertet wird und zusätzlich zu schlechterer Benotung aufgrund von schlechterer Leistung führt. Als Ergebnis fühlen sich betroffene Kinder weiterhin schlecht und demotiviert und der Kreislauf zieht sich weiter.


Hinweise auf Schwierigkeiten

Es gilt daher insbesondere als Elternteil das Befinden und Verhalten des eigenen Kindes stets genau zu beobachten. Zeigt ihr Kind beispielsweise Verhaltensauffälligkeiten, wie

  • aggressives Verhalten
  • Aufsässigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Essstörungen
  • Schlafstörungen
  • Einnässen
  • Angstzustände
  • unerklärliche Krankheitssymptome wie Bauch- oder Kopfschmerzen
  • mangelnde (Lern-)Motivation


gilt es genauer hinzuschauen. Dabei können solche Anzeichen bereits in der Kita festgestellt werden und ziehen sich, wenn nicht behandelt ins Schulalter weiter.


Lösungsansätze bei Schulversagen

Aufgrund dessen, dass Schulversagen meist zu einem grossen Teil hausgemacht ist, liegt Zuhause auch das grösste Potenzial zur Lösung. Der erste Schritt der Lösung besteht dabei sicherlich darin, dass Eltern merken, wenn ihr Sprössling vor Problemen steht und diesen gemeinsam mit dem Kind auf die Schliche kommen.
Reden Sie mit ihrem Kind, finden Sie heraus, wo der Schuh drückt, welche Gefühle es hat, was es belastet und wie es selbst die Situation erlebt. Wichtig dabei ist sicherlich, nich noch mehr Druck zu erzeugen, denn genau diesen verspürt Ihr Kind höchstwahrscheinlich sowieso - und dies ist bekanntlich auch Teil des Problems.
Konsultieren Sie zudem auch die Lehrpersonen Ihres Kindes und holen Sie ihre Einschätzung der Situation ab. Einerseits erhalten Sie als Elternteil so eine weitere Sicht auf die Situation, andererseits erfahren die Lehrpersonen so auch, dass etwas nicht gut läuft. Auch hier gilt es gemeinsam nach möglichen Lösungen zu suchen und wo notwendig auch weitere Stellen und Hilfeleistende zu finden. So kann es sein, dass bereits der Besuch der Hausaufgabenhilfe Ihrem Kind Entlastung bietet oder aber Gespräche mit der Schulpsychologin oder dem Schulsozialarbeiter für Entspannung sorgen. Auch die Lehrerpersonen selbst können Ihnen beispielsweise eventuell spezielle Aufgaben oder Übungen mitgeben, die Sie und Ihr Kind gemeinsam erledigen und so Schulstoff aufarbeiten können. Es kann ebenso sein, dass Ihrem Kind noch die richtige Methode zum Lernen fehlt und beispielsweise ein Lern-Coaching der richtige Ansatz ist.
Ganz egal, wie die Lösung bzw. die Lösungen am Ende des Tages aussehen, es ist vor allem wichtig, dass Sie als Elternteil reagieren, Verständnis aufbringen, keinen zusätzlichen Druck ausüben und gemeinsam mit Ihrem Kind nach dem bestmöglichen Vorgehen suchen. So fühlt sich Ihr Kind verstanden, aufgehoben und erhält so die notwendige Beruhigung, um sich auf seine Leistung konzentrieren zu können.

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