Wutausbrüche bei Kleinkindern

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Wutausbrüche bei Kleinkindern

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Wenn Kleinkinder wütend werden - wie Sie am besten reagieren!

Ganz unabhängig davon, ob wir selbst Kinder haben oder nicht, wir alle haben es schon erlebt: Kleinkinder, die einen astreinen Wutanfall haben und tobend ihren Unmut kundtun. Die Reaktionen darauf fallen jeweils unterschiedlich aus. Doch wie geht man insbesondere als Elternteil am besten damit um? Wir zeigen Ihnen woher diese Wut kommt, was für einen Zweck sie erfüllt und wie Sie am besten damit umgehen können.


Vom kleinen Engel zum rasenden Wutzwerg

Es passiert meist unerwartet und ohne erkenntlichen Grund: Ihr süsses, kleines Baby mutiert von einem auf den anderen Tag zu einem kleinen, tobenden Wutzwerg. Wo Sie es gerade noch mit einem wunderbar süssen und vor allem friedlichem Kleinkind zu tun hatten, stehen Sie nun einem schreienden, um sich schlagenden und sich auf den Boden werfenden Kind gegenüber, dass sich nicht mehr beruhigen will. Dabei können die Auslöser für den Tobsuchtsanfall scheinbar alles sein: Ein Schnuller, der die falsche Farbe hat, das Brötchen, das mit der falschen Marmelade bestrichen wurde, das Nein zum Schokoriegel an der Kasse, der Lieblingsteller, der gerade in der Abwaschmaschine ist oder unser Wunsch die blaue Hose anzuziehen anstatt die grüne. Scheinbar hat jede noch so nebensächliche Kleinigkeit plötzlich das Potenzial unser Kind zur Weissglut zu bringen und einen Wutanfall hervorzurufen, der jeden Wettbewerb locker gewinnen würde.

Besonders schwierig für Eltern ist dabei, dass sie oft nicht nachvollziehen können, was genau der Auslöser solcher Wut ist bzw. warum eine solch banale Sache, wie die Farbe eines Schnullers das Kind dermassen auf die Palme bringen kann. Man steht als Elternteil da, oft absolut überrascht und unvorbereitet, versteht nicht was los ist und fühlt sich, insbesondere wenn dies in der Öffentlichkeit passiert irgendwie peinlich berührt. Peinlich berührt darüber, dass das eigene, eigentlich perfekte, vorbildliche Kind auf einmal solch ein Verhalten an den Tag legt und auch darüber, dass man dieses Verhalten nicht in den Griff kriegt, das Kind nicht dazu bringen kann, sich zu beruhigen.

An alle Eltern an dieser Stelle: Keine Sorge! Sie sind bei weitem nicht alleine. Diese Situation erleben alle Eltern im Laufe der Zeit - und für alle ist es gleich unangenehm. Noch viel wichtiger: Es ist nicht Ihre Schuld. Vielmehr befindet sich Ihr Kind in der sogenannten Trotzphase, auch Terrible Two genannt.


Trotzphase oder Terrible Two - wenn Kinder Wut walten lassen

Vorab ein weiterer Hinweis zur Beruhigung: Wie jede Phase geht auch die Trotzphase irgendwann vorbei. Sie beginnt mit rund 2 Jahren und kann bis zu vier Jahre dauern, wobei es im Durchschnitt meist ab 4 Jahren wieder ruhiger wird.
Anders als bei einem einjährigen Kleinkind, das durchaus auch Anzeichen von Unzufriedenheit und Wut zeigen kann, sind die Wutanfälle während der Trotzphase nicht so leicht zu lösen. Während ein einjähriges Kind schnell abgelenkt werden kann und so ein wirklicher Wutausbruch meist problemlos verhindert und die Harmonie zwischen Eltern und Kind schnell wiederhergestellt werden kann, sieht es beim zweijährigen Kind dann doch etwas anders aus. Während der Terrible Two entwickeln Kinder eine Persistenz und Ausdauer im Toben, derer man sich bis anhin nicht bewusst war. Oft kann man sich als Elternteil eines Babys auch gar nicht vorstellen, dass das eigene Kind irgendwann dermassen ausrasten wird. Die Terrible Two belehrt einen jedoch eines Besseren.
Während der sogenannten Trotzphase entwickeln auch noch so friedliche Kleinkinder eine unbändige Wut und lassen die auch eins zu eins raus. Anders als bei Erwachsenen, existiert kein Filter. Dem eigenen Unmut wird die volle Bühne gegeben und die ganze Welt darf und soll auch merken, dass das Kind unzufrieden und eben wütend ist. Es wird gebrüllt, geweint, um sich geschlagen, sich auf den Boden geworfen, geschrien und getobt - die volle Palette. Das Schwierige dabei ist, dass wir Eltern scheinbar nichts daran ändern können. Ganz egal ob wir nicht reagieren, versuchen zu erklären, den Kontakt suchen und anbieten oder sogar zurückschreien, nichts scheint den Wutausbruch zu lindern. Daher ist es nicht erstaunlich, dass viele Eltern sich der Trotzphase ihres Kindes ausgeliefert fühlen und sich haareraufend fragen, was sie falsch gemacht haben.


Warum das Kind zum Wutzwerg mutiert

Einer der wohl wichtigsten, jedoch zuweilen auch schwierigsten Ratschläge ist, die Ruhe zu bewahren. Es ist verständlicherweise hart, ruhig zu bleiben, während das eigene Kind völlig die Fassung verliert, weint und schreit und wohlmöglich auch um sich schlägt - je nach dem auch nach uns selbst schlägt.

Ein hilfreicher Hinweis diesbezüglich ist sicherlich ein weiterer Name, den man der sogenannten Trotzphase oder Terrible Two zuweist: Die Autonomiephase. Denn dieser Begriff zeigt sehr schön auf, um was es eigentlich geht. Ihr Kind ist mit ca. 2 Jahren in einem Lebensabschnitt, in dem es lernt, autonom zu denken und selbständig zu sein. Rund um den zweiten Geburtstag beginnt Ihr Liebling zu erkennen, dass sie oder er eine eigenständige Person ist und seine ganz eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche hat. Es lernt jetzt, sich autonom von den Eltern zu sehen und beginnt bereits zum ersten Mal damit, sich abzustossen. Das Gehirn des Kleinkindes befindet sich zu diesem Zeitpunkt in der Umprogrammierung und ist mit den vielen neuen Erkenntnissen und Gefühlen oft zuerst auch noch überfordert, ihnen auch ein bisschen ausgeliefert. Eigentlich also gar nicht so anders, als wir uns fühlen während eines Wutanfalls fühlen.


Wie man am besten auf Wutausbrüche reagiert - in der Ruhe liegt die Kraft

Ihr Kind ernst nehmen
Da es sich um eine der wichtigsten Entwicklungsphasen Ihres Kindes handelt, in der es die ersten Schritte in Richtung eines selbständigen, autonomen Daseins macht, ist es wichtig, diese Phase bzw. die Gefühlsäusserungen Ihres Kindes ernst zu nehmen. Unabhängig davon, wie sinnvoll oder nachvollziehbar der Auslöser eines Wutanfalls sein mag, nehmen Sie die Gefühlslage Ihres Kindes ernst. Genau wie wir Erwachsenen wollen auch Kinder ernst genommen werden, ganz egal wie sie sich gerade aufführen. In jedem Wutausbruch liegt auch eine Mitteilung darüber, was das Kind möchte und wie es ihm geht. Wenn beispielsweise ihre Tochter nach der Kinderkrippe wutentbrannt protestiert, weil Sie noch einkaufen gehen wollen, dann ist die Botschaft klar: Das Kind ist müde, will nach Hause und nicht in einen Einkaufsladen voller Leute. Oder wenn Ihr Sohn sich am Morgen weigert die grüne Kordhose anzuziehen und auf die kurze Sporthose besteht, dann trifft er eine Entscheidung darüber, wie er aussehen möchte und worin er sich wohl fühlt. Die Lösungen könnten hierzu so aussehen: Versuchen Sie entweder Ihrer Tochter zu sagen, dass Sie nur zwei Dinge im Einkaufsladen holen wollen und das nur 5 Minuten dauert. Bieten Sie ihr vielleicht an, den Kinder-Einkaufswagen zu stossen und geben Sie ihr eine Aufgabe, die ihr Spass macht. Auf Grosseinkäufe mit ihr nach der Kinderkrippe sollten Sie gleichzeitig vielleicht verzichten und sie auf einen anderen Tag verlegen oder ohne sie erledigen. Wenn wiederum ihr Sohn mitten im Winter unbedingt die kurze Sporthose anziehen möchte, schlagen Sie ihm den Kompromiss vor, eine lange Unterhose darunter anzuziehen, damit er warm genug hat. Oder aber besprechen Sie bereits am Vorabend mit ihm, was er am nächsten Tag anziehen will, denn dann haben Sie Zeit und stehen nicht unter dem morgendlichen Zeitdruck. Doch ganz egal, was Sie tun, zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es ernst nehmen, genauso wie seine Gefühle.


Nicht persönlich nehmen

Ein weiterer hilfreicher Punkt ist, das Ganze nicht persönlich zu nehmen. Der Wutausbruch Ihres Kindes hat grundsätzlich nichts mit Ihnen zu tun. Ihr Kind ist schlicht über eine Situation wütend und findet zurzeit keine andere Ausdrucksmöglichkeit als einen Wutanfall. Sie haben grundsätzlich nichts falsch gemacht, weder in der Erziehung an sich noch in der spezifischen Situation. Ihr Kind darf wütend sein, es darf unzufrieden sein und es darf diesen Gefühlen auch Ausdruck verleihen. Zurzeit kann es dies je nach Situation nicht anders als mit einem Tobsuchtsanfall.


Ruhig bleiben & aushalten

Wohlwissend, dass Sie nichts falsch gemacht haben, können Sie ruhig bleiben. Lassen Sie Ihr schlechtes Gewissen Sie nicht ebenfalls in Wut versetzen. Indem Sie ruhig bleiben, heizen Sie einerseits die Situation nicht noch weiter an und zeigen Ihrem Kind eine Verhaltensoption auf. Sie haben in der Ruhe zudem auch eher die Muse, auf Ihr Kind einzugehen. Gehen Sie auf Augenhöhe, fragen Sie, ob Sie etwas tun können, bieten Sie Hilfe an. Auch wenn das Kind Ihr Angebot vorerst nicht annimmt, es ist ein wichtiges Zeichen, ihm zu zeigen, dass Sie da sind. Sie können dem Kind zudem auch Körperkontakt anbieten, ohne diesen jedoch aufzuzwängen. Es gilt - und das ist zumindest am Anfang wirklich schwer - den Gefühlsausbruch des Kindes auszuhalten und zu akzeptieren, dass Sie im Moment nichts tun können. Ein wunderbares Beispiel dafür ist dieser Papa, der die Ruhe selbst bleibt und trotzdem präsent und für seine Tochter da ist.

Wenn Sie merken, dass Sie eine Pause brauchen, ist das keine Schande. Im Idealfall können Sie sich mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner abwechseln und sich auch mal eine kurze Auszeit gönnen. Die Situation kann für alle Beteiligten anstrengend sein, auch dies ist nichts, was Sie peinlich berühren müsste.


Es geht vorbei

Zu guter Letzt gilt es immer daran zu denken, dass das Gewitter auch wieder vorbeiziehen wird. Dies gilt sowohl für den einzelnen Wutausbruch Ihres Kindes als auch für die gesamt Trotzphase. Mit Ruhe und viel Liebe für das Kind und auch sich selbst werden Sie als Elternteil auch diese Phase sowie auch jeden einzelnen Gefühlsausbruch überstehen. Denn wie heisst es so schön unter Eltern: Es ist nur eine Phase - und wenn sie vorbei ist, folgt die nächste.



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