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Ein Märchen zum Thema Selbstachtung

Der König und die kleine, glückliche Blume

Es war einmal ein König, der in die Blumen, die Pflanzen und die Bäume, die er in seinem Garten gepflanzt hatte, verliebt war. Er kümmerte sich mit viel Liebe um seinen Garten. Am Abend, machte er mit Vorliebe einen Spaziergang durch die Alleen und erfreute sich der Schönheit der Farben und der Vielfalt der Düfte.

Eines Tages musste er sich auf eine lange Reise begeben. Bei seiner Rückkehr musste er mit Schrecken feststellen, dass eine grosse Anzahl seiner Pflanzen und Bäume am verwelken waren!

Die Fichte hatte fast alle Nadeln verloren. Da fragte sie der König, was mit ihr passiert sei. Die Fichte antwortete: „Ich habe die Rebe, die in der Nähe ist, angeschaut und festgestellt, dass sie wunderbare Trauben entwickelt hat, aus denen man Wein machen kann. Das hat mich sehr traurig gemacht, da ich nicht auch so was produzieren kann. Deshalb bin ich immer schwächer geworden und habe mir gesagt: „Ich bin so unnütz, dass es besser ist, wenn ich nicht mehr lebe!“.

Der König hat sich der Rebe zugewendet und gesehen, dass auch sie am Sterben war. Er hat sie nach ihrer Not befragt. „Während Tagen habe ich den Rosenstrauch bewundert und den zarten Duft seiner Blumen eingeatmet. Es hat mich bekümmert, den ich weiss ich kann nie eine so wunderbare Blüte und einen so herrlichen Duft entwickeln. In der Verzweiflung habe ich aufgehört, mich zu ernähren.“

Der König setzte die Besichtigung seines Gartens fort. Da fand er zu seinem grossen Erstaunen eine kleine, blaue Blume, leuchtend und voller Lebenskraft, deren Name „Glücklich“ ist.

Er war überglücklich, endlich eine Pflanze in seinem Garten zu finden, die aufblüht und sich gut entwickelt. Er sagt zu ihr: „Wie kommt es, dass du so schön bist, während die andern Pflanzen neben dir am Verderben sind?“ Sie antwortet ihm: „Eine Zeitlang war ich betrübt festzustellen, dass ich nie so gross sein werde wie die Fichte mit ihren wunderbaren Nadeln, dass ich nie Trauben produzieren kann wie die Rebe und dass ich nie den Duft der Rose verbreiten kann.“

„Ich habe mich mit den andern verglichen, das hat mich so schwermütig gemacht, dass ich sterben wollte. Da habe ich aber an Dich, o wunderbarer König, gedacht, der Du mich hier gepflanzt hast. Das hat mich zu folgender Überlegung veranlasst: In seinen Augen bin ich so wichtig, dass er mich unter vielen anderen auserwählt hat. Danach habe ich den Beschluss gefasst, zu leben und so schön wie möglich zu werden.“

Text (übersetzt) aus dem Buch „Je suis aimable, je suis capable“ von J. Monbourquette, M. Ladouceur, J. Desjardin-Proulx, Novalis, 1996.


  

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